Chronicle
Ein Film von Martin Kollar
Wären da nicht die Lichtveränderungen, könnte man meinen, der zweite Film des Kameramanns Martin Kollar sei in einem einzigen Durchgang gedreht worden, gleichzeitig, aus so vielen Blickwinkeln, wie es sorgfältig komponierte Einstellungen gibt: eine Art Momentaufnahme eines Planeten und dessen, was von einer Gesellschaft übrig geblieben ist, die mit mal banalen, mal unerklärlichen Ereignissen, mit drohenden Katastrophen – großen wie kleinen – zu kämpfen hat. Es ist, als hätte Kollar ein ganzes Land – seine Bewohner und Tiere, seine Landschaft und sogar seine Wetterphänomene – in ein unerklärliches Ritual oder eine kollektive Performance einbezogen, in der die Menschen fast überflüssig werden, zu bloßen, stillen Statisten, während die Ereignisse und Objekte hinter unserem Rücken miteinander zu kommunizieren scheinen. Hier ist eine Welt, die von Zufällen und Fügungen beherrscht wird, von Zeichen, die zusammenhanglos erscheinen, aber das Geheimnis des Ganzen verbergen könnten – oder vielleicht auch gar nichts. Es ist kein Zufall, dass „Chronicle“ zahlreiche benommene und schläfrige Menschen in Szene setzt: Der Film ist ihr kollektiver Traum, eine geheimnisvolle Kombination aus aufschlussreichen Momenten, aus denen jeder Versuch einer vereinfachenden logischen Verbindung zwischen den einzelnen Teilen verschwunden ist.